Wüste – Berge – Meer – Medina, Eine Rundreise durch Marokko.

Die Vorfreude auf unseren zweite Reise durch das faszinierdende Land steigt jeden Tag. Von unserem «Winterquartier» in Benissa an der Costa Blanca starten wir unsere Reise Richtung Nordafrika. Die Überfahrt mit der Fähre von Algeciras nach Tanger Med ist gebucht und eine grobe Reiseplanung ist in trockenen Tücher.

Bevor wir jedoch den Kontinent wechseln gibt es noch eine logistische Aufgabe zu lösen: Da wir unsere eBikes und den Biketräger nicht nach Marokko mitnehmen möchten – dies gilt auch für unsere portable Satelitenempfangsanlage, muss ein temorärer und sicherer Lagerplatz für diese Gegenstände gefunden werden. Nach längeren Recherchen im Internet sind wir schliesslich bei FEJABOX in Tarifa fündig geworden. Die Firma verfügt über verschieden grosse Lagerplätze für die Mietdauer von jeweils 1 Monat zu günstigen Konditionen. Wir haben einen abschliessbaren Raum von 2.5 m2 für ca. EUR 50.00/Monat gebucht. Alle nötigen Vertragsformalitäten können easy online gemacht werden. Wir erhalten einen Zugtrittscode für das Gebäude und profitieren dadurch vom 7/24 Service, welcher wiederum das Buchen der Fähre flexibler macht.

Über den Winter hat sich so einiges an neuem Hausrat und Kleinkram angesammelt und hat nun definitiv keinen Platz um alles im Camper zu verstauen. Unsere Anfrage bei Lehmann Transporte brachte die perfekte Lösung für das Problem. Lehmann bietet die Möglichkeit, nebst grösseren Umzügen, auch kleine Zuladungen zu seinen monatlichen Transportfahrten von der Costa Blanca in die Schweiz mitzugeben. Wir kauften also beim «Chinesen» zwei grosse Plastikboxen, und brachten diese gefüllt zum Lehmann-Lager in Vergel (Nähe Denia). Voila – Problem schnell und preiswert gelöst.

Am 18. Februar, einen Tag früher als geplant begeben wir uns auf die Fähre in Algaciras. Mit Blick auf Gibraltar verlassen wir den europäischen Kontinent. Nur gerade mal 1 ½ Stunden später erreichen wir in Tanger Med die nördliche Spitze von Marocco und stehen nun in Afrika. Obwohl die Passkontrolle bereits auf der Fähre gemacht wird, dauern die Einreise- und Zollformalitäten doch eher lang. Gleich hier, im Hafenbereich kann man sich mit marokkanischen SIM-Karten eindecken. Die freundlichen Verkäufer übernehmen auch gleich die Aktivierung der Karten. Wir haben je eine Karte mit 40GB von Maroc Telecom und Invi gekauft. Grob gerechnet kostet 1 GB = 1 Euro. Unweit hinter dem Hafen beginnt die gut ausgebaute Schnellstrasse A4 auf welcher die quirlige Stadt Tanger umfahren werden kann. Weiter auf der mautpflichtigen A1 erreichen wir Ashila und checken im einfachen Camping «Assada» ein. Das kleine Städtchen mit der herausgeputzten Medina wirkt noch nicht wirklich wie ein typischer marokkanischer Ort, ist aber gut geeignet, um erst einmal im Land anzukommen und die fremde Kultur zu erleben.

Vorerst verabschieden wir uns wieder von der Küste und fahren auf abwechslungsreichen Landstrassen Richtung der Königsstadt Meknès nach Süden. Was hier auf den Strassen abgeht ist schon was Besonderes und nicht zu vergleichen mit dem, was wir kennen. Autos, Lastwagen, Eselkarren, Radfahrer, Fussgänger, Hühner, Kühe und vieles mehr gilt es im Auge zu behalten. Ein wildes Durcheinander in das man als Verkehrsteilnehmer eintaucht. Einen lohnenswerten Stop und eine gute Gelegenheit die Füsse zu vertreten sind die Ruinen und Ausgrabungen vom UNESCO-Weltkulturerbe Volubilis. Sie zeigen auf einer Fläche von 42 ha die am besten erhaltenen Monumente aus der römischen Antike in Marokko. In nur ein paar Kilometer Entfernung sieht man bereits die heilige, auf zwei Hügeln gebaute Stadt Moulay Idriss. Die Stadt gilt als religiöses Zentrum Marokkos. Das grosse Mausoleum, in welches auch Nicht-Muslime Zugang bekommen, ist der Mittelpunkt der Pilgerbesuche. Eine Stadtbesichtigung ist ein unbedingtes Muss. Wir fahren noch ein paar Kilometer weiter durch eine hügelige und aussichtsreiche Gegend bis zum Camping «Sidi Ali». Es ist der ideale Ausgangspunkt, um die Königsstadt Meknès zu besuchen. Die Bushaltestelle liegt nur gerade einen Steinwurf vom Camping entfernt. Die Buslinie 15 fährt direkt ins Zentrum/Medina der Altstadt.

Unsere Route führt uns nun weiter Richtung Süden auf herrlichen Strassen durch die Ausläufer vom Hohen Atlas. Kurz nach Azrou führt die gut ausgebaute Strasse steil bergauf durch dichten Wald aus Zedern und Steineichen. Nach ca. 10 km erreichen wir einen grossen Parkplatz als Ausgangspunkt für eine kleine Wanderung auf dem «Circuit touristique des Cèdres». Am Parkplatz tummeln sich viele halbzahme Berberaffen die man füttern kann. 60 Km nach Azrou erreichen wir den Col du Zad auf 2178 m.ü.M.

Auf den weiten Flächen dieser Hochalpen – wir sind auf etwa 1900 m.ü.M. unterwegs – sieht man vereinzelt die Zelte der Viehnomaden, die in der kargen Landschaft mit ihren Herden auf der Suche nach spärlichem vorkommendem Futter umherziehen. Weiter auf der N13 führt die Strasse nun durch eine kahle und zerklüftete Berg- und Hügellandschaft Richtung Midlet. 20 Kilometer vor Midlet schlagen wir unser Nachtlager im kasbahartigen Komplex des «Ksar Timnay» mit angeschlossenem Campingplatz auf. Die Weiterfahrt über Midlet und Rich ins Tafialet ist landschaftlich sehr reizvoll. Entlang dem Fluss Ziz findet man immer wieder saftig grüne Oasen die sich um die typischen braunen Lehmdörfer schmiegen. In der malerischen Gorges du Ziz mit ihren senkrechten Wänden lohnt es sich immer mal wieder rechts ran zu fahren um die eindrückliche Landschaft zu bestaunen. Der 220 km lange Qued Ziz entspringt im östlichen Hohen Atlas und fliesst südöstlich in die Sahara. Das ganze Tal des Ziz ist eine der grössten marokkanischen Oasen mit unzähligen Dattelpalmen.

Hat man einmal Rissani passiert, sieht man bereits am Horizont die gigantischen Dünen von Erg Chebbi leuchten. Nun heisst es eintauchen in die Ausläufer der Sahara und von nun an beherrscht Sand nicht nur das eindrückliche Landschaftsbild sondern auch das Innenleben von Schuhen, Taschen und Camper. Die Auswahl an Stellplätzen ist gross. Wir haben uns für einen tollen Stellplatz beim Hotel Kasbah Mohayut www.hotelmohayut.com direkt an den Dünen b ei Merzouga entschieden. Auf der höher gelegenen Camping-Ebene gibt es keine Schattenplätze aber dafür direkten Ausblick in die Sahara. Auf der unteren Ebene kann man den Wagen z.T. unter Palmen in den Schatten stellen. Die Sanitäranlagen sind einfach aber sauber und zweckmässig. Auch gibt es genügend Steckdosen für Strom. An der Rezeption können geführte Ausflüge in die Sahara mit Kamelen oder 4×4 Fahrzeugen gebucht werden. Im charmanten Restaurant werden sehr schmackhafte, einheimische Gerichte serviert.

Um die Wüste zu erkunden entscheiden wir uns, eine Rundwanderung durch die mächtigen Dünen unter die Füsse zu nehmen. Glücklicherweise sind heute nicht sehr viele lärmende Quads unterwegs und wir können die Vibes der Sahara so richtig in uns aufnehmen und wirken lassen. Ein wirklich eindrückliches Erlebnis wenn man das erste Mal in einer realen Wüstenlandschaft unterwegs ist.

update folgt